Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 022 - 20.09.2012

DGB legt statistische Auswertung der Bruttoarbeitsentgelte vor: Viele Vollzeitbeschäftigte in Leipzig künftig von Altersarmut bedroht

Jeder zweite Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job verdiente 2010 in der Stadt Leipzig weniger als 2.291 Euro brutto im Monat. Einmalige Leistungen wie Überstundenzuschläge oder Weihnachtsgeld sind dabei berücksichtigt und Auszubildende nicht mitgezählt. Erstmals hat der DGB differenzierte Daten zu den Verdienstunterschieden in der Stadt Leipzig vorgelegt, die auf einer Sonderauswertung der Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung beruhen. Danach verdienten Vollzeitbeschäftigte in Leipzig zwar durchschnittlich 336 Euro mehr im Monat als im sächsischen Landesdurchschnitt und immer noch 223 Euro mehr als im Durchschnitt über die neuen Bundesländer hinweg. Im gesamtdeutschen Vergleich allerdings wird der nach wie vor bestehende gravierende Lohnabstand zwischen Ost und West deutlich: In Hannover beispielsweise liegt der Durchschnittslohn von Vollzeitbeschäftigten bei 2.886 Euro (Median Deutschland = 2.702 Euro / West = 2.835 Euro).

Doch auch mit dem noch relativ "hohen" Durchschnittslohnniveau droht vielen Leipzigern Altersarmut: Durch die geplante Senkung des Rentenniveaus auf 43 % müssen Beschäftigte mit einem Einkommen von 2.500 Euro im Monat 35 Jahre in die Rentenkasse einzahlen, um mehr als Grundsicherung im Alter zu bekommen. Bei einem Monatseinkommen von 2.200 Euro droht bei Renteneintritt immer noch Sozialhilfebedürftigkeit, selbst wenn man 40 Jahre gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hat.

Innerhalb der Beschäftigtenstruktur zeigen sich erhebliche Unterschiede beim Verdienst: Vor allem Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung zählen mit einem Durchschnittlohn von 1.570 Euro zu den Geringverdienern. Dagegen kommen Beschäftigte mit Hochschulabschluss im Schnitt auf einen gut doppelt so hohen Bruttoverdienst (3.843 Euro). Männer erzielten meist ein höheres Bruttomonatsentgelt als Frauen. Im Mittel verdienten sie 2.322 Euro brutto im Monat gegenüber nur 2.250 Euro bei den Frauen. Dieser Verdienstunterschied erklärt sich wesentlich durch die geschlechtsspezifischen Tätigkeitsschwerpunkte; so arbeiten Frauen häufig im Dienstleistungssektor mit einem relativ niedrigeren Entlohnungsniveau gegenüber dem Produzierenden Gewerbe, wo Männer häufiger tätig sind. Aber auch die Lohndiskriminierung von Frauen hat nach gewerkschaftlicher Einschätzung einen Einfluss auf dieses Lohngefälle.

Die Angst vieler Beschäftigter, dass sie mit ihrer Rente im Alter nicht auskommen, ist nicht unbegründet. Insbesondere Frauen sowie Arbeiter ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind oftmals von Altersarmut bedroht. Dramatisch ist die Lage in den Landkreisen: Der Durchschnittslohn Vollzeitbeschäftigter liegt im Landkreis Leipzig bei nur 1.793 Euro, im Kreis Nordsachsen bei 1.884 Euro. Geradezu verheerend sind die Einkommensverhältnisse von Frauen in den Landkreisen: Im Kreis Leipzig verdienen sie 249 Euro weniger als Männer, in Nordsachsen beträgt die Lohndifferenz 184 Euro.

Angesichts dieser prekären Situation appelliert der Vorsitzende der DGB-Region Leipzig-Nordsachsen, Bernd Günther, an die schwarz-gelbe Koalition in Dresden: "Sachsen ist nach Mecklenburg-Vorpommern das Niedriglohnland Nummer zwei. Die Auswirkungen dieser Situation sollten mittlerweile jedem verantwortungsvollen Politiker bewusst sein. Werden Sie Ihrer Verantwortung für die Menschen im Freistaat gerecht: Unterstützen Sie die Mindestlohninitiative von Thüringen im Bundesrat und verhindern Sie die geplante Absenkung des Rentenbeitragssatzes! Stattdessen schlagen wir vor, ab 2014 den Beitragssatz schrittweise um je 0,1 Beitragssatzpunkte für Arbeitnehmer und Arbeitgeber anzuheben, bis er im Jahr 2025 fast 22 Prozent erreicht. Dem moderat steigenden Beitrag stünden deutliche Leistungsverbesserungen gegenüber, außerdem könnten wir Rücklagen für die Zukunft aufbauen."


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