Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 015 - 18.07.2012

Beschäftigte haben immer noch hohes Entlassungsrisiko

24.309 Beschäftigte in der Stadt Leipzig haben nach Berechnungen des DGB im vergangenen Jahr ihren regulären Job verloren und sind arbeitslos geworden. Sie mussten sich unmittelbar nach einer sozialversicherten Beschäftigung arbeitslos melden. "Trotz guter Konjunktur und steigender Klagen von Unternehmen über Fachkräftemangel hat 2011 gut jeder neunte sozialversichert Beschäftigte in Leipzig den Job verloren", so der Vorsitzende der DGB-Region Leipzig-Nordsachsen Bernd Günther. Zuletzt wurden in Leipzig 215.886 sozialversichert Beschäftigte gezählt. Gemessen daran sind im Laufe des Jahres 2011 in Leipzig gut elf Prozent der Beschäftigten arbeitslos geworden. In einigen Branchen werde immer noch zu wenig getan, um Fachkräfte zu halten und ihnen gute und stabile Beschäftigungschancen zu eröffnen. Auch der gestiegene Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse zeige, dass die Konkurrenz der Betriebe um gute Fachkräfte längst nicht überall sehr intensiv sein kann, kritisiert Günther.

Auch zwischen den Branchen gibt es deutliche Unterschiede in der Personalpolitik und der Stabilität der Arbeitsverhältnisse. So ist das Entlassungsrisiko im verarbeitenden Gewerbe in Leipzig deutlich niedriger als in anderen Branchen. Dabei muss sich diese Branche - aufgrund des hohen Exportanteils - der internationalen Konkurrenz in besonderer Weise stellen.
In dieser Branche sind im letzten Jahr 1.189 Beschäftigte arbeitslos geworden bei einem Beschäftigungsstand von im Schnitt 19.400 sozialversichert Tätigen
- das sind rund sechs Prozent.

In anderen - stärker auf die Nachfrage in der Region ausgerichteten - Wirtschaftszweigen ist das Risiko des Arbeitsplatzverlustes deutlich höher. Allein im Gastgewerbe haben 2011 1.625 Arbeitskräfte den Job verloren, dies ist fast jede vierte sozialversicherte Arbeitskraft. Das Entlassungsrisiko im Gastgewerbe ist überdurchschnittlich hoch und zwar mehr als doppelt so hoch wie im Schnitt aller Branchen. Im Gastgewerbe spielen Befristungen eine sehr große Rolle. Fast genau so hoch ist das Arbeitsplatzrisiko in der Leiharbeit. Die hohe Personalfluktuation zeigt, dass Heuern und Feuern im Verleihgewerbe immer noch an der Tagesordnung ist und Verleiher personalpolitische Risiken schnell auf die Sozialsysteme verlagern. "Instabile und prekäre Beschäftigung tragen nicht zum Abbau eines Fachkräftemangels bei, sondern verschärfen ihn eher", so Günther.

Datenquelle: Berechnungen des DGB Leipzig-Nordsachsen auf Basis der BA-Beschäftigtenstatistik sowie einer gewerkschaftlichen Sonderauswertung der BA-Zugangsstatistik in Arbeitslosigkeit. 


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