Deutscher Gewerkschaftsbund

18.05.2015
Landreis Nordsachen

Lars Menzel (SPD)

Portrait von Lars Menzel

Lars Menzel

Zur Person:
Lars Menzel, 34 Jahre, verheiratet, 4 Kinder, evangelisch

Zunächst absolvierte Lars Menzel eine Ausbildung zum Bankkaufmann und arbeitete mehrere Jahre im Verbund der Sparkassen. Er entschloss sich dann in den dritten Sektor zu wechseln und eine Ausbildung zum Rettungsassistenten zu absolvieren. Nach mehrjähriger Tätigkeit in der Notfallrettung studierte der gebürtige Oberlausitzer Soziale Arbeit und Betriebswirtschaft für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen.

Heute ist er Leiter der Johanniter-Akademie in Leipzig, einem Berufsschulzentrum im Gesundheits- und Sozialwesen und verantwortet in dieser Funktion den Bereich Aus- und Weiterbildung der Johanniter in Mitteldeutschland. Er ist Vorsitzender des Fachverbandes der berufsbildenden Schulen der Diakonie in Sachsen und Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik. Seit 2008 ist Menzel Mitglied der SPD.

http://www.larsmenzel.net/

 


Fragen an die Kandidaten zur Landratswahl 2015 im Landkreis Nordsachsen

 

1. Was hat Sie bewogen für das Amt des Landrats zu kandidieren? Was ist Ihre Motivation?

Bereits in meiner Jugend war ich Mitglied des Kreisjugendausschusses der ÖTV in Essen, später Mitglied des Studierendenparlaments an der Universität Duisburg/Essen und 2008 bin ich in die SPD eingetreten. Im Ziel, um mich nicht nur beruflich und privat in meiner Region zu engagieren, sondern auch politisch. Als die Frage, als Landrat für Nordsachsen zu kandidieren an mich herangetragen wurde, habe ich keinen Moment gezögert, diese Herausforderung anzunehmen. Denn sie würde – und tut es schon jetzt im Wahlkampf – mein privates, berufliches und politisches  Engagement zu einem ganzheitlichen bündeln. Zudem ist Nordsachsen für mich nicht irgendein Landkreis, in dem ich mich politisch einbringen könnte, sondern einer, in dem ich große Potentiale sehe.
 

2. Was wollen Sie im Landkreis in Bezug auf die Ansiedlung von Unternehmen bewegen?

Der Ansiedlung von Unternehmen messe ich große Bedeutung bei, damit die Menschen im Landkreis und damit Nordsachsen selbst hier ihre Zukunft sehen. Neue Unternehmen bedeuten nicht nur mehr Arbeitsplätze, sondern auch mehr Sicherheit in der persönlichen Zukunft vieler Bürgerinnen und Bürger. Zwei Punkte gilt es aus meiner Sicht hier umzusetzen: Ausbau der Infrastruktur (z.B. B6n, Ortsumgehungen, Netzabdeckung im Mobilfunk) und die Überprüfung der Effektivität bisheriger Wirtschaftsförderprojekte des Landkreises. 

 

3. Welche Projekte in der öffentlichen Daseinsführsorge stehen aus Ihrer Sicht im Landkreis an? Wo muss dringend investiert werden?

Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs, mobile Versorgung im Krankheits- und Pflegefall.

 

4. Welche politischen Ansätze sind notwendig, um den Industrie-, Agrar- und Kulturstandort zu stärken.

Ganz wichtig ist hier das Gespräch. Man kann im stillen Amtszimmer viel entwerfen und viele Zahlen in Tabellen auswerten. Ich aber möchte die Situation z.B. der Landwirte, die für mich ein fester Bestandteil der nordsächsischen Wirtschaft sind, verstehen und nicht nur drüber lesen. Das Gespräch gehört für mich zum Einmaleins des Lebens – nicht nur des privaten und des beruflichen, sondern vor allem auch des politischen.

 

5. Wie werden Sie im Landkreis für eine Willkommenskultur werben? Welche Maßnahmen zur Unterbringung und Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden planen Sie?

Hier hat Nordsachsen bisher gute Arbeit geleistet, die ich unbedingt fortführen will. Denn die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen ist und bleibt bessere Alternative zu zentralisierten Massenunterkünften, wie sie andern Orts gebaut werden. Eine gelungene Integration findet aus meiner Sicht im Wesentlichen durch Sprachkurse statt. Nur so können wir den Flüchtlingen Perspektiven im nordsächsischen Arbeitsmarkt eröffnen. Je nach Herkunft der Flüchtlinge ist die gegenseitige Vermittlung interkultureller Kompetenzen ein wichtiger Bestandteil einer gelebten Willkommenskultur.  Wichtig ist auch hier das Gespräch. Nicht nur mit den Flüchtlingen, sondern auch mit denjenigen, denen dieses Thema Sorge bereitet. Man kann mit einem Gespräch zwar nicht aus jedem Asylgegner einen -befürworter machen, aber es ist jeden Versuch wert.

 

6. Und zu guter Letzt interessiert und als Gewerkschaften natürlich noch: Was ist für Sie „Gute Arbeit“?

Wertschätzung ist für mich Schlüssel für „Gute Arbeit“. Wertschätzung in finanzieller und emotionaler Hinsicht. Wertschätzung von Arbeit darf nicht dort aufhören, wo Arbeitsplätze nicht von primärer, direkt messbarer Effektivität gekennzeichnet sind. 

 

6a) Wie beurteilen Sie die Ausprägung von Leiharbeitsverhältnissen und prekärer Beschäftigung im Landkreis?

Diese Beschäftigungsverhältnisse mögen dem einen oder anderen Unternehmen kurzfristig ein Gewinn sein, aber sie schaden der Zukunft des Landkreises auf Dauer. Also muss ihre Gesamtzahl wieder auf eine Größe runtergeschraubt werden, die für alle Beteiligten verkraftbar ist.

 

6b) Wie sehen Sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Unternehmen im Landkreis.

So wie überall sonst in der Bundesrepublik. Man kann politisch viel dafür tun, aber ob diese Hilfen bei denen ankommen, die sie nötig haben, muss vor Ort geschaut werden. Wir müssen hierbei beachten, dass die Betreuungsangebote für Kinder so konzipiert sind, dass sie auch der (beruflichen) Lebenswirklichkeit der Eltern entsprechen. Zudem ist die ambulante Versorgung von Pflegbedürftigen ein nicht zu vernachlässigender Aspekt bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Denn es sind nicht immer nur die Kinder, welche tagsüber eine Betreuung benötigen. Im Gespräch mit den Trägern der Alten-, Kinder-, und Jugendhilfe werde ich neue Angebote entwickeln.

 

6c) Wie beurteilen Sie die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns im Landkreis? Sehen Sie Möglichkeiten Lohndumping im Landkreis zu verhindern?

Ich kann, Gott sei Dank, den heraufbeschworenen Wirtschaftseinbruch nach der Einführung des Mindestlohnes nicht spüren, deutschlandweit nicht. Dass sich windige Geschäftsleute bei allen Gesetzen Lücken suchen, ist bekannt, nicht nur bei diesem Thema. Die Lösung des Problems lautet: Lücken schließen und an die Verantwortung appellieren. Womit ich wieder beim Gespräch wäre. Denn die entscheidende Frage hierzu lautet doch: Will der Unternehmer keinen Mindestlohn zahlen oder kann er nicht?


Nach oben