Deutscher Gewerkschaftsbund

20.02.2014

Ausstellung: Zerschlagung der Mitbestimmung 1933

Das Ende der ersten deutschen Betriebsdemokratie

Bevor die Nazis am 2. Mai 1933 die Gewerkschaften zerschlugen, beseitigten sie die Mitbestimmung in den Unternehmen. Die Ausstellung: „Zerschlagung der Mitbestimmung 1933“ widmet sich vom 24. März bis 23. April im Volkshaus Leipzig dem Ende der Betriebsdemokratie der Weimarer Zeit.

Wer 1933 Betriebsrat in einem deutschen Unternehmen war, musste nicht nur um seinen Arbeitsplatz, sondern auch um seine Freiheit fürchten. Die Nazis verhafteten Betriebsräte, verwüsteten die Häuser der Gewerkschaften und höhlten so nach und nach die in der Weimarer Republik mühsam erkämpften Arbeitnehmerrechte aus.

9. März 1933: Akten und Schriftstücke werden aus den Fenstern in den Volkshaushof geworfen.

9. März 1933: Akten und Schriftstücke werden aus den Fenstern in den Volkshaushof geworfen. B. Uhlich, Leipzig. Repro KWI e.V. Volkshaus-Geschichtsboden

Schwerer Schlag gegen die Mitbestimmung

Wie es dazu kommen konnte, zeigt die Ausstellung „Zerschlagung der Mitbestimmung 1933 – das Ende der ersten deutschen Betriebsdemokratie“, die vom 24. März bis zum 23. April im Raum 0.24 des Volkshauses in Leipzig zu sehen ist. Organisatoren sind der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Hans-Böckler-Stiftung und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Anhand von historischen Dokumenten und Fotografien beleuchtet die Ausstellung den Wandel der Mitbestimmungskultur in deutschen Unternehmen hin zur Betriebsdiktatur der Nazizeit. Sie erklärt die Institutionen und Akteure der nationalsozialistischen „Arbeitsordnung“, etwa die Deutsche Arbeiterfront (DAF) und die Rolle der von der NS-Führung propagierten „Betriebsgemeinschaft“ und der von Hitler erlassenen Gesetze.

Ein schwerer Schlag gegen die Mitbestimmung war das Gesetz für Betriebsvertretungen und Wirtschaftliche Vereinigungen vom 4. April 1933. Das Gesetz gab den Landesbehörden das Recht, Betriebratswahlen willkürlich auszusetzen und Mitglieder, deren Einstellung als „staats- oder wirtschaftsfeindlich“ galt, abzuberufen. Es legalisierte nachträglich die Schikanen, welche die Arbeitnehmervertreter seitens der Nazis erleiden mussten. Schon einen Monat später, am 2. Mai 1933 wurden auch die Gewerkschaften zerschlagen.

Arbeitgeber nutzen Gesetze für harten Kurs

Eine wichtige Rolle spielten auch die Arbeitgeber, welche die Absetzung der Betriebsräte nicht nur duldeten, sondern oft begrüßten. Beispielhaft dafür stehen die Firmenleiter von Siemens und Krupp. Während die Siemens-Firmenleitung ihre Betriebsräte kurzerhand beurlauben ließ, begrüßte Gustav Krupp Hitlers Repressalien, sah er doch durch sie „die furchtbare Gefahr des Kommunismus“ gebannt. Nicht nur die Branchenriesen, auch viele mittelständischen Unternehmer nutzten die Abschaffung der Mitbestimmung, um einen härteren Kurs gegen die Belegschaft zu fahren.

Die Ausstellung setzt mit Blick auf die derzeit in ganz Deutschland stattfindenen Betriebsratswahlen die im vergangenen Jahr begonnene Ausstellungsreihe der DGB-Region Leipzig-Nordsachsen anlässlich des 80. Jahrestages der Zerschlagung der freien Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten fort. 

Die betriebliche Mitbestimmung ist ein hohes und hart erkämpftes Gut einer demokratischen Gesellschaft. Deshalb sollte sich jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer an den Betriebsratswahlen beteiligen!

Zur Ausstellungseröffnung mit dem Kurator Werner Milert am 24. März 16.00 Uhr laden wir Sie herzlich ein. Für eine Anmeldung wären wir dankbar.

"Zerschlagung der Mitbestimmung 1933" - Eine Ausstellung von FES, DGB und HBS über die Zerschlagung der ersten deutschen Betriebsdemokratie.

Volkshaus Leipzig, Raum 0.24, Karl-Liebknecht-Str. 30/32, 04107 Leipzig

24. März bis 23. April 2014, wochentags 9 – 17 Uhr, Eintritt frei

ACHTUNG: Seit Beginn 2014 finden in der Karl-Liebknecht-Straße umfangreiche Baumaßnahmen statt. Diese dauern voraussichtlich bis Ende 2015. Die Einfahrt zum Volkshaus soll während der gesamten Bauphase für PKW erreichbar bleiben. Je nach Bauabschnitt aus Richtung B2 über die Paul-Gruner-Straße oder aus Richtung Bayrischer Bahnhof über die Shakespearestraße.

Aktuelle Informationen zur Baumaßnahme finden Sie hier.


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