Deutscher Gewerkschaftsbund

25.04.2016
Verlegung am 06. Mai 2016

Stolpersteine für Eilenburg und Bad Lausick

Auch im Jahr 2016 haben Schülerinnen und Schüler des Martin-Rinckart-Gymansiums an ihrem ,bereits 2013 begonnen, Projekt "Stolpersteine für Eilenburg" weitergearbeitet. Dazu fand am 6. Mai um 13:00 Uhr eine weitere Verlegung eines Stolpersteines durch den Kölner Künstler Gunter Demnig statt.

In der Torgauer Str. 19 wird um 13 Uhr der Stein für Hans Freimann verlegt.

Bereits um 10 Uhr fand an diesem Tag die Verlegung für die Familie Hirsch in der Straße der Einheit 40, Bad Lausick statt. Auch dort wurde in einem Gemeinschaftprojekt mit Jugendlichen und dem Erich-Zeigner-Haus die Biografien der Opfer der NS-Zeit recherchiert.

Biografie Hans Freimann

Der am 27. März 1920 in Eilenburg geborene Hans Freimann musste die schrecklichen Verbrechen der Nazis im Rahmen der NS-Euthanasie am eigenen Leib ertragen. Als Sohn des Kaufmann Benjamin Freimann und Rifka Buhla Freimann, geborene Minskaja, wohnte Hans Freimann entsprechen der Dokumente aus dem Eilenburger Adressbüchern zeit seines Lebens bei seiner Familie in der Torgauerstr. 19 in Eilenburg, bis ihn schließlich die Nationasozialisten auch aufgrund seines eingetragenen Glaubensbekenntnisses "jüdisch" im Alter von 16 Jahren am 12. November 1936 in die sogenannte "Landesheil- und Pflegeanstalt Uchtspringe" einweisen ließen. Für diese Anstalt war der Name "Provinzial-Epileptischen- und Blöden-Anstalt" ursprünglich vorgesehen und bestand bis 1933 sogar unter jüdischer Leitung. Zwischen 1934 und 1941 wurden allerdings 301 weibliche und 464 männliche Patienten in der "Landesheilanstalt Uchtspringe" nachweislich zwangssterilisiert. Ab 1940 diente die Einrichtung als "Zwischenanstalt" der "Euthanasie-Aktion T4" für die Tötungsanstalten Brandenburg und Bernburg. Hans Freimann aus Eilenburg ist einer von über 2000 nachgewiesenen Opfern, die von Uchtspringe aus in die Tötungsanstalten deportiert wurden. Auch wenn nur wenige, erhaltene Dokumente über die "Verlegungen" von Euthanasieopfern aus Uechtspringe existieren, ist es auf der Grundlage der überlieferten Aufnahmebücher der ehemaligen Landesheil- und Pflegeanstalt Uchtspringe, welches sich im Landesarchiv Sachsen-Anhalt befinden, erwiesen, dass Hans Freimann am 22. November 1940 nach Bernburg deportiert worden ist, um noch am gleichen Tag ermordet zu werden.

Familie Hirsch

Die jüdische Familie Hirsch hat neun Familienmitglieder: Vater Siegmund, Mutter Martha sowie die sieben Kinder Else, Margarete, Berta, Sopie, Fanny, Johanne und Max. Die Familie betrieb einen Kleiderladen in ihrem Heimatort Bad Lausick. Johanne heiratete und lebte fortan unter dem Familiennamen Michaelis in Berlin. Mutter Martha verstarb im Jahre 1930. Mitt der Dreißiger gab Siegmund sein Geschäft ab, ob aus Altersgründen oder aufgrund der Arisierung ist nicht überliefert. Mit dem Beginn der Diskriminierung durch die Nazis entschieden sich viel Juden, so auch Max, Fanny und Margarethe Hirsch Deutschland zu verlassen. Max ging nach Palästina und gründete dort eine Familie, Fanny wanderte nach Indien aus und Margarethe ging nach Schottland. Else wurde Maschinenschreiberin bei der städtischen Verwaltung. Am 31. Mai 1933 wurde sie aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufbeamtentums gekündigt. Elsa und Sfie Hirsch waren die ersten Familienmitglieder die von den Schrecken der Nazi Herrschaft eingeholt wurden. Am 10.05.1942 wurden sie beide von Leipzig aus nach Ghetto Belzyce deportiert. Von da an gibt es keine weiteren Informationen über die beiden. Da sie aber keinen Kontakt zu den Geschwistern aufgenommen haben, scheint ihr Ermordung wahrscheinlich. Am 19. September wurde Siegmund Hirsch nach Theresienstadt deportiert. Dort verstarb der hochbetagte Mann am 9. Dezember 1942. Am selben Tag wurde Johanne Michaelis nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Über Bertha Hirsch finden sich in den Dokumenten keine Informationen.

Stolpersteinverlegung

LVZ Eilenburg


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Stolpersteine - Erinnerung an die Vergangenheit

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