Deutscher Gewerkschaftsbund

11.10.2012
DGB/FES-Forum

"Bildung ist ein sozialer Auftrag des Staates"

DGB/FES-Forum am 09.10.12 in Leipzig

Podium v.l.n.r.: Bernd Günther, Sophie Fries, Bruno Köbele, Bernhard Krabiell, Dr. Eva-Maria Stange, Ralf Berger DGB/app

Ein modernes Bildungssystem muss in der Lage sein, Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft eine gleichberechtigte Teilhabe am Bildungssystem zu ermöglichen. Unser derzeitiges ist dazu nur unzureichend geeignet - darüber herrschte weitgehend Einigkeit auf dem Podium des gemeinsamen Diskussionsforums von DGB und Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema "Herkunft gleich Zukunftschance? Bildungschancen, Durchlässigkeit und Defizite im allgemeinen Bildungssystem", das am 9. Oktober im Volkshaus Leipzig stattfand. Ausführlich debattiert wurde über die Frage, was zu tun ist, um sowohl kurzfristig als auch langfristig erkennbare Verbesserungen zu erreichen. Eingehend wurde dabei das sächsische schulbildungssystem analysiert.

Moderator Bernhard Krabiell machte zunächst drei soziale Herkunftsfaktoren aus, die den Zugang zum und die Teilhabe am Bildungssystem erschweren: Dies sind insbesondere Kinder aus Elternhäusern die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind, einen Migrationshintergrund haben oder bildungsfern sind. Danach gefragt, Was die Bildungsagentur tun kann, um betroffene Kinder und Jugendliche zu unterstützen, führte deren Leipziger Leiter Ralf Berger aus, dass an Schulen mit hohem Migrantenanteil zusätzlich Lehrkräfte eingesetzt werden, um Sprachkompetenzen zu fördern. Zudem wurden zum Beispiel im Leipziger Osten Netzwerke mit verschiedenen Schulen aber auch externen Partnern gebildet, um verstärkt Eltern aufzusuchen, die nicht an der schulischen Entwicklung ihrer Kinder teilnehmen. Dass solche Maßnahmen durchaus sinnvoll sind, bestätigte Bruno Köbele, Präsident des Internationalen bundes. Er berichtete von einem Projekt des IB in Berlin, bei dem es gelungen ist, durch kontinuierliche aufsuchende Elternabend zwei Drittel jener Eltern, die sich dem Schulbetrieb verweigerten dazu zu bringen, an den Elternbesprechungen teilzunehmen. Leider standen die Fördermittel nur für sechs Monate zur Verfügung. in diesem Zusammenhang mahnte auch Berger an, nicht auf kurzfristige Projekte zu setzen. Um dauerhaft sichtbare Veränderungen an Schulen zu erzielen, müsse langfristig über mehrere Jahre geplant und auch evaluiert werden. Schulen bräuchten vor allem Kontinuität und Sicherheit, so Berger.

Die Bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, Dr. Eva-Maria Stange, würdigte zwar das Bemühen der Bildungsagentur, an Brennpunkten mehr Lehrer einzusetzen und Kompetenzzentren zu schaffen. Sie verwies jedoch darauf, dass dafür kaum Lehrkräfte zu Verfügung stünden. Die mittlerweile von der Staatsregierung ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrermangels und der Überalterung der Lehrerschaft seien allerdings nicht ausreichend: In diesem Jahr werde gerade einmal annähernd der Ersatzbedarf gedeckt, also neue für ausscheidende Lehrkräfte eingestellt. Von einer Aufstockung könne keine Rede sein. Sie unterstützte die Forderung, Eltern stärker ins Schulsystem einzubeziehen. Dafür müsse es an jeder Schule Sozialarbeiter geben. Für Lehrerinnen und Lehrer sei es eine ungeheure Belastung, neben ihrer Lehrtätigkeit die Rolle des Sozialarbeiters oder teilweise der Eltern zu übernehmen. Hier gibt es gute Ansätze und Projekte, dauerhafte Lösungen seien aber nicht in Sicht.

Die Kürzung der Fördermittel für die Berufsausbildung benachteiligter Jugendlicher kritisierte die Geschäfstführerin des Berufsbildungsvereins Leipzig e.V. Sophie Fries. Außerbetriebliche Bildungsträger haben in der Vergangenheit Jugendlichen nicht nur in beruflicher Hinsicht Perspektiven geboten, sondern sich darüber hinaus um ihre verschiedenen Probleme gekümmert. Wer diese Funktion nun übernehmen solle, stellte sie als Frage in den Raum.

"Bildung ist ein sozialer Auftrag des Staates und unser Staat muss sozialer werden", resümierte Bruno Köbele nach gut zwei Stunden Diskussion. DGB-Vorsitzender Bernd Günther kündigte eine Folgeveranstaltung im kommenden Jahr an. In dieser sollen Fragen und Probleme der Berufsausbildung sowie der Weiterbildung näher beleuchtet werden.


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