Deutscher Gewerkschaftsbund

02.05.2012
1. Mai 2012 - Demonstration und Kundgebungen für gute Arbeit und faire Löhne

Der Tag der Arbeit in der Region Leipzig-Nordsachsen

Mit einer kraftvollen Demonstration beginnt der diesjährige Tag der Arbeit in Leipzig um zehn am Volkshaus. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut" ruft die IG Metall-Jugend an der Spitze der Demo und fordert die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung. Kolleginnen und Kollegen von Nokia Siemens Networks protestieren gegen die Pläne ihres Unternehmens, bundesweit 2900 von 9100 Stellen zu streichen, darunter auch in Leipzig. Gegen elf erreicht der Demonstrationszug den Markt.

In seiner Eröffnungsrede prangert der DGB-Regionsvorsitzende Bernd Günther die Folgen der eropäischen Krise für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in allen Ländern der EU an: "Der Markt, nicht der Mensch, ist zum Maß der Dinge in Europa geworden. Ein Markt, der nichts anderes im Sinn hat als den Reichtum Weniger zu mehren und die Kosten für diesen Profit den Menschen aufzubürden." Günther fordert erneut die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns und die Regulierung von Leiharbeit. Der arbeitende Mensch steht auch bei der Vergabe öffentlicher Aufträge in Sachsen nicht im Mittelpunkt. Deshalb weist Günther auf den Start der Kampagne "Billig kommt teurer" hin. Unter diesem Motto fordert der DGB Sachsen ein Vergabegesetz, mit dem die Erteilung öffentlicher Aufträge an zeitgemäße Tarif-, Sozial- und Ökostandards gebunden wird.

Leiharbeit ist auch ein Thema für BMW-Betriebsratschef Jens Köhler, der mehr Mitbestimmung für Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeitern einfordert. Mit der Ansage "Die Stadt wird wackeln" stimmt er die Metallerinnen und Metaller auf dem Markt auf die bevorstehenden Warnstreiks ein. Hauptredner Klaus-Dieter Hommel von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft fordert die Menschen auf, sich stärker in Gewerkschaften zu organisieren. "Nur dann wird es gelingen, der Geiz-ist-Geil-Mentalität der Wirtschaft Paroli zu bieten und faire Löhne für gute Arbeit zu erzielen.

Wie Beteiligung und Engagement in unserer Gesellschaft gelebt werden und was jede/r einzelne bewirken kann, um seine persönlichen Wünsche zu verwirklichen, erarbeiteten Aktive des Netzwerkes für Demokratie und Courage (NDC) mit Besucherinnen und Besuchern der Leipziger Maikundgebung in einem Open-Air-Workshop.

Auf dem Marktplatz in Borna warnt der stellvertretende sächsische DGB-Vorsitzende Markus Schlimbach mit Blick auf die Sparpakete vor sozialen Unruhen in Europa. "Die öffentliche Hand muss wie zu Zeiten der Wiedervereinigung Geld in die Hand nehmen und investieren." Dass das zu Erfolgen führt, sei an sanierten Häusern, Marktplätzen und Schulen in den neuen Bundesländern zu sehen.

Hauptredner Miro Jennerjahn, Landtagsabgeordneter der Grünen, wirft der sächsischen Staatsregierung in vielen Fragen Sprachlosigkeit vor. Er verweist auf die tiefe Spaltung auf dem sächsischen Arbeitsmarkt: "Auf der einen Seite fehlt es an Fachkräften, andererseits sind viele ausgegrenzt." Hinzu kommt, dass Frauen in Sachsen im Durchschnitt nach wie vor elf Prozent weniger verdienen als Männer. Die Band "Frontline" und die "Bornaer Tanzelfen" sorgten für die kulturelle Umrahmung der von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Leipzig-Nordsachsen organisierten Maifeier.


Fotos von der Maidemonstration gibt es auf der Seite der IG Metall Leipzig


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