Deutscher Gewerkschaftsbund

18.05.2015
Landreis Nordsachen

Kai Emanuel (CDU)

Portrait Kai Emanuel

Kai Emanuel

- wurde 1968 geboren und lebt seitdem in Delitzsch
- ist verheiratet und hat zwei Söhne im Alter von 16 und 20 Jahren
- machte von 1984 – 1987 eine Ausbildung als Elektromonteur mit Abitur im RAW Dessau
- arbeitete von 1987 – 1992 als Elektromonteur im RAW Delitzsch
- studierte von 1992 – 1995 an der Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung Meißen, mit dem Abschluss „Diplom-Verwaltungswirt (FH)“ 
- war von 1996 – 2008 Amtsleiter (Rechnungsprüfungsamt, Verkehrsamt, Finanzverwaltung) im Landratsamt Delitzsch
- ist seit 2008 Finanzbeigeordneter und Kämmerer des Landkreises Nordsachsen
- engagiert sich im Kommunalen Sozialverband, der Sächsischen Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung, dem Zweckverband Döllnitzbahn,
  der Omnibus- Verkehrsgesellschaft mbH „Heideland“ und im Fachbeirat der Zeitschrift „Der Neue Kämmerer“
- begeistert sich für Sport, insbesondere Handball und Fahrradfahren

 

http://kai-emanuel.de/

 


Fragen an die Kandidaten zur Landratswahl 2015
Landkreis Nordsachsen

 

1. Was hat Sie bewogen, für das Amt des Landrats zu kandidieren? Was ist Ihre Motivation?

Ich lebe seit 46 Jahren in diesem Landkreis und der Slogan „Ein Nordsachse für Nordsachsen“ ist für mich eine Verpflichtung gegenüber meiner Heimat. Es ist eine große Herausforderung und mein oberstes Ziel, attraktives Leben im ländlichen Raum aber auch in den Mittelzentren zu fördern und zu sichern. Nordsachsen steht gut da. Das ist auch der Verdienst von Landrat Michael Czupalla. An seine und die Arbeit der Kreisverwaltung werde ich aufbauend anknüpfen. Seit 2008 galt es, bei aller zu respektierenden Individualität der Regionen, ein Landkreisbewusstsein zu entwickeln. Menschen fanden zueinander und es ist gelungen, viele Herausforderungen der Zeit zu lösen. Die Identität Nordsachsens ist gestärkt und man ist zusammengewachsen.

Doch der Blick geht nach vorn! Es geht immer noch besser! Das ist mein Anspruch. Ein einfaches „weiter so“ reicht nicht aus. Die Ansprüche steigen, das Geld wird knapper, Infrastruktur gilt es zu verbessern, um Gewerbe und Industrie ansiedeln zu können. Der demografische Wandel muss vernünftig begleitet werden und die Schulden gilt es weiter zu reduzieren. Als erfahrener Kämmerer weiß ich, dass Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten in der Verwaltung hinterfragt werden müssen. Die Qualität der Kommunikation möchte ich erhöhen, mit Bürgern und Unternehmen ins Gespräch kommen. Meine langjährigen Erfahrungen in der Landkreisverwaltung helfen mir dabei, um gemeinsam aktiv die Zukunft unseres Landkreises zu gestalten. Ich weiß aber auch, was umgehend angefasst werden muss. Eine der wichtigsten Aufgaben ist ein flächendeckendes schnelles Internet. Gewerbe, Dienstleister, Handwerk und Industrie brauchen die schnelle Informationstechnik.

Der Landrat hat einen großen Verwaltungsbereich. Genau das reizt mich an dem Amt. Es gilt, gute Entscheidungen vorzubereiten in Zusammenarbeit  mit Mitarbeitern, mit den Bürgermeistern und dem Kreistag. Im Kreistag sitzen Ehrenamtliche, die professionelle Entscheidungsvorlagen als Grundlage für Ihre Arbeit benötigen. Das ist eine wesentliche Aufgabe des Landrats und seiner Verwaltung. Ich werde aber auch meine guten Kontakte nach Dresden und Berlin nutzen, um unseren Landkreis voranzubringen.

Wichtig ist, dass entschlossene und engagierte Eintreten für die Region und die Menschen, die hier leben. Darum lautet mein Wahlkampfslogan: „kompetent. engagiert. von hier.“ Darum möchte ich hier, in meiner Heimat, Landrat werden.

 

2. Was wollen Sie im Landkreis in Bezug auf die Ansiedlung von Unternehmen bewegen?

Die Weiterentwicklung des ländlichen Raumes als Arbeits- und Wirtschaftsregion ist mein oberstes Ziel. Die für den ländlichen Raum typischen kleinen und mittleren Unternehmen müssen die Chance haben, ihren Fachkräftebedarf auch im Landkreis decken zu können. Aber auch das Thema der Betriebsnachfolge wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Im Rahmen der Wirtschaftsförderung unterstützen wir Unternehmen bei der Ansiedlung, erschließen auch weiterhin Gewerbeflächen und revitalisieren Altbrachen.

Eine der wesentlichen Stärken des Standortes Nordsachsen soll das Selbstverständnis der Verwaltung als schneller und unbürokratischer Dienstleister für Unternehmen werden. Ein gutes Fundament dafür ist gelegt.

Dies setzt aber auch die gleichrangige Entwicklung der Umwelt und der Wirtschaft voraus. Durch intensive Kommunikation muss ein ausgewogenes Verhältnis der Interessen der Landwirtschaft, des Naturschutzes und des Hochwasserschutzes erreicht werden.

 

3. Welche Projekte in der öffentlichen Daseinsvorsorge stehen aus Ihrer Sicht im Landkreis an? Wo muss dringend investiert werden?

Grundsätzlich stellt sich die Frage, was man tatsächlich zur öffentlichen Daseinsvorsorge, also einem Bereich, in dem der Staat maßgeblich Einfluss nehmen sollte, zählt. Hier gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen und nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels wird von Kritikern stets der Umfang öffentlicher Daseinsvorsorge auf den Prüfstand gestellt. Ich werde alles dafür tun, das der ländliche Raum modern, zukunftsfähig und lebenswert bleibt und noch mehr wird. Gerade in Zeiten immer geringer werdender Kassen gilt es, kreative Ideen zu entwickeln. Gut funktionierende Infrastruktur ist Voraussetzung für prosperierende Wirtschaft und schafft Lebensqualität im ländlichen Raum. Er muss als Wirtschafts- und Arbeitsstandort gesichert werden. Ich will mich für eine flächendeckende leistungsfähige Internetversorgung einsetzen.

Um dem dünnbesiedelten Nordsachsen Anschluss und Mobilität zu geben, ist starke Verkehrsinfrastruktur unerlässlich. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist so zu organisieren, dass schnelle, vernetzte und bezahlbare Verbindung zwischen dem ländlichen Raum und den Städten gewährleistet wird.

 

4. Welche politischen Ansätze sind notwendig, um den Industrie-, Agrar- und Kulturstandort zu stärken.

Siehe 2.

 

5. Wie werden Sie im Landkreis für eine Willkommenskultur werben? Welche Maßnahmen zur Unterbringung und Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden planen Sie?

Es ist selbstverständlich, dass Menschen, die auf der Flucht vor politischer Verfolgung, Krieg und Terror sind und in unserem Land Schutz suchen, aufgenommen und betreut werden. Mit Respekt und Anerkennung verfolge ich Anstrengungen vor Ort. Der aktuelle Flüchtlingsstrom stellt unseren Landkreis vor große Herausforderungen. Migration und Asyl sind Aufgaben, die Bund, Länder und Kommunen nur gemeinsam schultern können. Eine Politik ist notwendig, um Mitmenschen, die in Not sind, schnell helfen zu können. Konsequent muss aber auch der Missbrauch bekämpft werden. Ich setze mich für Gesetzesänderungen auf Bundes- und Landesebene ein, die Asylverfahren beim Verwaltungsverfahren als auch bei der gerichtlichen Überprüfung beschleunigen. Es müssen Hürden im Verwaltungsverfahren abgebaut werden, um abgelehnte Asylbewerber zügig rückzuführen. Ich trete für eine zentrale Aufnahmeeinrichtung des Bundes bei der Betreuung von Asylbewerbern aus sicheren Herkunftsländern und aus EU-Ländern ein.

 

6. Und zu guter Letzt interessiert und als Gewerkschaften natürlich noch: Was ist für Sie „Gute Arbeit“?
· Wie beurteilen Sie die Ausprägung von Leiharbeitsverhältnissen und prekärer Beschäftigung im Landkreis?
· Wie sehen Sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Unternehmen im Landkreis?
· Wie beurteilen Sie die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns im Landkreis? Sehen Sie Möglichkeiten Lohndumping im Landkreis zu verhindern?

Fachkräfte sind entscheidender Standortfaktor. Um steigenden Fachkräftebedarf zu sichern, sind Bildungsangebote von Kita bis Gymnasium und Berufsschulen in der Fläche zu erhalten und auszubauen. Es ist verstärkt zu verzeichnen, das die Unternehmen bestrebt sind, ihre Fachkräfte langfristig an das Unternehmen zu binden.

Ganztagsangebote bieten Schülern Chance, Interessen, Talente und Neigungen zu entdecken, zu entwickeln und Freizeit sinnvoll zu gestalten. Um ganztägigem Lernen gerecht zu werden, müssen sich Schulen weiter öffnen und mit außerschulischen Partnern zusammenarbeiten. Das Interesse an Ausbildung, insbesondere in handwerklichen Berufen, kann so geweckt werden. Für eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Bildungseinrichtungen ist Erhalt von Berufsschulzentren im ländlichen Raum wichtig, um eine Berufsschulausbildung in der Nähe des Ausbildungsbetriebes zu gewährleisten. Einrichtung der dualen Berufsausbildung mit Abitur in Sachsen wird ausdrücklich begrüßt und unterstützt.

Volks- und Musikschule, Sternwarten und Schullandheim erfüllen weiter ihre Bildungsaufträge in Trägerschaft des Landkreises.

Der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gilt es, zukünftig ein noch größeres Augenmerk zu schenken. Hier haben die Unternehmen aber bereits Handlungsbedarf erkannt und versuchen, mit geeigneten Modellen die Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Es gilt, seitens der Verwaltung im Rahmen der Möglichkeiten zu unterstützen. Gleiches gilt natürlich auch für die Verwaltung. Gleitzeitmodelle sind hier bereits gängige Praxis.

Es ist noch zu früh, um beurteilen zu können, ob die Einhaltung des Mindestlohnes überall erfolgt. Es sollen sehr strenge Vorgaben und Kontrollen erfolgen. Ich gehe davon aus, dass der flächendeckende Mindestlohn eingehalten wird. Grundsätzlich vertrete ich die Meinung, dass man von seinem verdienten Geld in der Lage sein sollte, den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Hier liegt auch die Verantwortung der Unternehmen.


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