Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 002 - 03.04.2020

Kurzarbeitergeld reicht für viele nicht - Jetzt auf 80% erhöhen!

Kurzarbeit ist ein wichtiges Instrument, um die gegenwärtige Krise zu bewältigen. Die bisherigen Zahlen zur Anzeige von Kurzarbeit durch die Unternehmen zeigen, dass das Instrument Kurzarbeit gut angenommen wird. Damit wird Beschäftigung gesichert und Entlassungen verhindert.

Das Motto muss lauten: Fachkräfte halten, Beschäftigte absichern.

„Für die Absicherung von Beschäftigten reicht die derzeitige Höhe des Kurzarbeitergeldes von 60% bzw. 67% nicht aus. Es muss auf 80% erhöht werden!“, so Erik Wolf (Regionsgeschäftsführer DGB Leipzig-Nordsachsen). „Viele Beschäftigte werden einen Anspruch auf zusätzliche Leistungen in der Grundsicherung haben und mit Hartz IV aufstocken müssen“

Angesichts der Medianlöhne in der kreisfreien Stadt Leipzig und den Landkreisen Leipzig sowie Nordsachsen wird dies bei Kurzarbeitergeld in Höhe von 60% voraussichtlich mehr als die Hälfte betreffen.

Für einzelne Branchen haben die Gewerkschaften und Arbeitgeber Tarifverträge oder Ver-einbarungen zur Erhöhung des Kurzarbeitergeldes abgeschlossen. z.B. Chemieindustrie, Systemgastronomie, Metall- und Elektroindustrie.

„Aber wo kein Tarifvertrag und keine Vereinbarung gilt, müssen die Beschäftigten mit massiven Einkommensverlusten rechnen. Die Beschäftigten in der kreisfreien Stadt Leipzig und den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen sind wegen der geringen Tarifbindung in besonderem Maße davon betroffen. Deshalb fordern wir die Bundesregierung auf, das Kurzarbeitergeld auf 80% zu erhöhen. Es muss existenzsichernd sein und für das Leben reichen“, so Erik Wolf weiter.

 

Hinweise:

Der Medianlohn ist der mittlere Lohn in einer untersuchten Gruppe. Das heißt: Es verdienen genau gleich viele Personen mehr bzw. weniger. Im Gegensatz dazu berechnet sich der Durchschnittslohn aus der Gesamtlohnsumme geteilt durch die Anzahl Köpfe.
Die Unterschiede zwischen den Landkreisen und kreisfreien Städten in den Brutto-Arbeitsentgelten bei dem noch Anspruch auf ergänzende Hartz IV Leistungen besteht, resultieren aus den unterschiedlichen Mietstufen.

Lesebeispiel der Tabelle: Wer als alleinstehender Beschäftigter im Landkreis Leipzig nicht mindestens 2.830 Euro brutto im Monat verdient hat, hat bei Kurzarbeit null - also einem Arbeitsausfall von 100% - einen Anspruch auf Grundsicherung. Angesichts dessen, dass der Medianlohn in Leipzig bei nur 2.383 Euro brutto monatlich liegt, wird die Zahl derjenigen, die Hartz IV aufstocken müssen, sehr hoch sein.

Berechnung für alleinstehende SV-pflichtige Beschäftigte in Vollzeit nach Landkreisen und kreisfreien Städten bei Kurzarbeit null - also Arbeitsausfall von 100%.

Landkreise bzw. Städte - Brutto-Arbeitsentgelt bei dem noch Anspruch auf ergänzende Hartz IV Leistungen besteht - Medianlohn
(BA zum 31.12.2019 am Wohnort, SVB, Vollzeit) - Differenz Medianlohn (zu Brutto Arbeitsentgelt, bei dem noch Anspruch auf Hartz IV Leistungen besteht)

Leipzig Stadt - 2.830 € - 2.936 € - 106 €

Landkreis Leipzig - 2.830 € - 2.383 € - -447 €

Nordsachsen - 2.530 € - 2.487 € - -43 €

Eigene Berechnungen, Quellen: Bundesagentur für Arbeit: Entgeltstatistik, Medianlöhne nach Landkrei-sen/kreisfreien Städte, Berechnung Kug https://www.arbeitsagentur.de/datei/kug050-2016_ba014803.pdf

Mietstufe der Landkreise/kreisfreien Städte: https://www.wohngeld.org/mietstufe.html


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