Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 023 - 20.09.2012

DGB legt statistische Auswertung der Bruttoarbeitsentgelte vor: Erschreckende Ergebnisse in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen - Massive Altersarmut ist vorprogrammiert

Jeder zweite Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job im Kreis Leipzig verdiente 2010 weniger als 1.793 Euro brutto im Monat, im Landkreis Nordsachsen mit 1.884 Euro nur geringfügig mehr. Einmalige Leistungen wie Überstundenzuschläge oder Weihnachtsgeld sind dabei berücksichtigt und Auszubildende nicht mitgezählt. Erstmals hat der DGB differenzierte Daten zu den Verdienstunterschieden im Direktionsbezirk Leipzig vorgelegt, die auf einer Sonderauswertung der Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung beruhen. Danach verdienten Vollzeitbeschäftigte in den Landkreisen deutlich weniger als in der Stadt Leipzig, wo der Durchschnittsverdienst 2.291 Euro beträgt. Beide Kreise liegen damit auch unter dem sächsischen Landesdurchschnitt von 1.955 Euro.

Bei diesen Einkommensstrukturen sind viele Beschäftigte in den Landkreisen massiv von Altersarmut bedroht: Durch die geplante Senkung des Rentenniveaus auf 43 % müssen Beschäftigte mit einem Einkommen von 2.500 Euro im Monat 35 Jahre in die Rentenkasse einzahlen, um mehr als Grundsicherung im Alter zu bekommen. Bei einem Monatseinkommen von 2.200 Euro droht bei Renteneintritt immer noch Sozialhilfebedürftigkeit, selbst wenn man 40 Jahre gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hat.

Innerhalb der Beschäftigtenstruktur zeigen sich erhebliche Unterschiede beim Verdienst: Vor allem Frauen und Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung werden deutlich abgehängt. Im Kreis Leipzig verdienen Frauen
249 Euro weniger als Männer, in Nordsachsen beträgt die Lohndifferenz 184 Euro. Dieser Verdienstunterschied erklärt sich wesentlich durch die geschlechtsspezifischen Tätigkeitsschwerpunkte; so arbeiten Frauen häufig im Dienstleistungssektor mit einem relativ niedrigeren Entlohnungsniveau gegenüber dem Produzierenden Gewerbe, wo Männer häufiger tätig sind. Aber auch die Lohndiskriminierung von Frauen hat nach gewerkschaftlicher Einschätzung einen Einfluss auf dieses Lohngefälle.

Ungelernte Beschäftigte kommen im Kreis Leipzig gerade einmal auf 1.537 Euro Durchschnittsverdienst, im Landkreis Nordsachsen auf 1.692 Euro. Dagegen erzielen Beschäftigte mit Hochschulabschluss im Schnitt einen gut doppelt so hohen Bruttoverdienst.

Die Angst vieler Beschäftigter, dass sie mit ihrer Rente im Alter nicht auskommen, ist nicht unbegründet. Insbesondere Frauen sowie Arbeiter ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind ganz erheblich von Altersarmut bedroht.

Angesichts dieser dramatischen Situation schlägt der Vorsitzende der DGB-Region Leipzig-Nordsachsen, Bernd Günther, Alarm und appelliert an die schwarz-gelbe Koalition in Dresden: "Sachsen ist nach Mecklenburg-Vorpommern das Niedriglohnland Nummer zwei. Die Auswirkungen dieser Situation sollten mittlerweile jedem verantwortungsvollen Politiker bewusst sein. Werden Sie Ihrer Verantwortung für die Menschen im Freistaat gerecht: Unterstützen Sie die Mindestlohninitiative von Thüringen im Bundesrat und verhindern Sie die geplante Absenkung des Rentenbeitragssatzes! Stattdessen schlagen wir vor, ab 2014 den Beitragssatz schrittweise um je 0,1 Beitragssatzpunkte für Arbeitnehmer und Arbeitgeber anzuheben, bis er im Jahr 2025 fast 22 Prozent erreicht. Dem moderat steigenden Beitrag stünden deutliche Leistungsverbesserungen gegenüber, außerdem könnten wir Rücklagen für die Zukunft aufbauen."


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