Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 011 - 06.06.2011
Steigende Bonuszahlungen und sinkende Reallöhne

"Wo ist das bitteschön gerecht?"

Der Vorsitzende der DGB-Region Leipzig-Nordsachsen Bernd Günther hat die steigenden Bonuszahlungen bei Spitzenverdienern heftig kritisiert: "Während die Reallöhne bei vielen Normalverdienern durch steigende Preise sinken, dürfen sich Spitzenverdiener über riesige Bonuszahlungen freuen. Wo ist das bitteschön gerecht? Die Beschäftigten haben vielen Unternehmen mit Lohnverzicht und Kurzarbeit durch die Krise geholfen und müssen nun mühsam kämpfen, dafür angemessen belohnt zu werden. Gleichzeitig streichen die Manager mit den höchsten Gehaltsklassen bereits wieder Boni ein, die schon fast Vorkrisenniveau erreicht haben."

Eine Studie der internationalen Personalberatung LAB & Company hatte ergeben, dass 46 Prozent der deutschen Führungskräfte für das Geschäftsjahr 2010 höhere Bonuszahlungen erhalten hatten als im Vorjahr. In den Unternehmen profitieren in erster Linie die Manager mit den höchsten Gehältern über 200.000 Euro.

Grundsätzlich kritisiert der Gewerkschafter die Höhe vieler Spitzenverdienste: "Es ist eine absurde Entwicklung, dass die Zahl der Manager, die Einkommen in Höhe von einer Million oder mehr jährlich erzielen, wächst. Das ist nicht mehr zu rechtfertigen und widerspricht den ethischen Grundsätzen einer sozialen Marktwirtschaft. Durch übermäßige Bonuszahlungen und Erfolgsprämien werden in Unternehmen oft Fehlsteuerungen eingeleitet. Das kurzfristige und kurzsichtige Aufpolieren von Ertragszahlen rückt in den Vordergrund. Der nachhaltige wirtschaftliche Erfolg und die gesellschaftliche Rendite finden weniger oder keine Beachtung. Auch die jüngste Finanzkrise war der Jagd auf solche außergewöhnlichen Prämien und Renditeerwartungen geschuldet. Offenkundig haben viele Verantwortliche in der Wirtschaft daraus keine Lehren gezogen."

In diesem Zusammenhang fordert der Leipziger DGB-Chef Spitzenmanager nachdrücklich auf, ihre Bezüge offenzulegen, denn trotz entsprechender gesetzlicher Vorschriften veröffentlichen ein Fünftel der kapitalmarktorientierten Unternehmen die Gehälter ihrer Vorstände nicht. Günther: "Das ist auch eine Charakterfrage. Wir müssen dem Versuch widerstehen, die Todsünde Gier in eine Managertugend zu verwandeln."

Eine Grauzone stellen nach Auffassung von Bernd Günther immer noch die Themen Altersversorgung und weitere Einkommensquellen neben den eigentlichen Vorstandsgehältern dar. So sei es "bedenklich, das etliche Manager im Zuge von Unternehmenswechseln gleich mehrere Altersversorgungssysteme parallel aufbauen und so zu Ruhegeldern kommen, für die normale Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gleich mehrere hundert Jahre arbeiten müssten, um nur in die Nähe zu gelangen." Ein Beispiel sei der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bank Hypo Real Estate, Axel Wieandt, der ab dem 61. Lebensjahr allein für seine dortige Tätigkeit eine lebenslange Pension von knapp 240.000 Euro jährlich erhält. Und das gerade einmal für 19 Monate Arbeit in diesem Finanzinstitut. Für eine gleiche Altersvorsorge müsste ein Durchschnittsverdiener 730 Jahre in die Rentenversicherung einzahlen.

Kritisch sieht der DGB-Vorsitzende auch, dass durch Aufsichtsratsvergütungen und Aufwandsentschädigungen für Tätigkeiten außerhalb des Unternehmens horrende Nebenverdienste aufgebaut würden, diese aber nur unzureichend transparent gemacht würden. Ebenso unangemessen findet er die Praxis der Abfindungsregelungen bei den Spitzenmanagern: "Die nehmen unverändert groteske Dimensionen an. Von einem 'goldenen Handschlag' kann schon nicht mehr gesprochen werden, die Platinstufe ist bei nicht seltenen Millionenzahlungen längst überschritten."

Bemerkenswert sei allerdings, so Günther weiter, dass in der Finanzdienstleistungswirtschaft inzwischen die Entscheidungen über die Vergütung von Unternehmensvorständen eine neue Qualität erhalten haben. So werde nicht mehr von wenigen Vertretern der Kapitaleigner in den Hinterzimmern über die Bezahlung der Spitzenmanager entschieden, sondern Struktur und Höhe der Vorstandsverträge müssten im gesamten Aufsichtsrat transparent gemacht werden und in diesem Gremium auch entschieden werden: "Das hat deutliche Wirkung gezeigt. Überbordende, ergebnisorientierte Bonuszahlungen werden in dieser Branche kaum mehr vereinbart werden können."


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