Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 015 - 23.06.2011

Fachkräftemangel: "Bequeme und billige Lösungen sind nicht immer der richtige Weg"

"Bequeme Lösungen sind nicht immer der richtige Weg." Mit diesen Worten hat der DGB-Vorsitzende von Leipzig-Nordsachsen, Bernd Günther, das von der Bundesregierung geplante vereinfachte Verfahren um ausländische Ingenieure und Ärzte einzustellen, kommentiert. "Bei dem von vielen Seiten herauf beschworenen Fachkräftemangel handelt es sich aktuell eher um eine gefühlte und befürchtete Lage, als ein tatsächlich vorhandenes Problem", so Günther weiter.

"Wer auf den hiesigen Arbeitsmarkt schaut wird sehen, dass immer noch viel zu viel Potenzial nicht genutzt wird, speziell bei den Langzeitarbeitslosen, den Älteren ohne Beschäftigung oder den Frauen, von denen viele nur in Minijobs festhängen. Priorität muss deswegen die Qualifizierung von Arbeitslosen und das Schaffen von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen haben."

Ein weiteres Beispiel: Entgegen anderslautenden Darstellungen fehlen auch in den Agenturbezirken Leipzig und Oschatz in den strukturbestimmenden Branchen nach wie vor Ausbildungsplätze. Viel zu viele Jugendliche werden von der Agentur für Arbeit als angeblich nicht ausbildungsreif aussortiert. Und in vielen Branchen werden Auszubildene am Ende gar nicht oder nur befristet übernommen. Dazu kommen die vielen Schul- und Studienabbrecher. Günther:

"Hier muss angesetzt werden, um vorhandene Ressourcen besser zu erschließen.

Dafür müssen die Agenturen und Bildungseinrichtungen einen gemeinsamen Fahrplan erarbeiten, der den Weg und die Verantwortlichkeiten aufzeigt."

Für grundlegend falsch hält es Günther, die Mindesteinkommen für Hochqualifizierte aus Nicht-EU-Staaten zu senken, damit diese nach Deutschland kommen und hier auch dauerhaft bleiben können. "Das sind Billiglösungen. Viele Unternehmen warten nur darauf, auch für hochqualifizierte Tätigkeiten günstige Arbeitskräfte einstellen zu können und erhöhen damit den Druck auf hiesige ArbeitnehmerInnen."

Eines sei allerdings positiv an den Plänen der Bundesregierung, so der

DGB-Chef: "Offenbar wird anerkannt, dass Deutschland ein Zuwanderungsland ist. Dann muss aber auch die restriktive Einbürgerungspolitik dringend überdacht werden. Viele Menschen wollen hier dauerhaft leben, aber es wird ihnen viel zu schwer gemacht," sagt der Gewerkschafter zum Beispiel mit Blick auf das Thema doppelte Staatsbürgerschaft.

 


Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

AKTUELLE PRESSEMELDUNGEN

Subscribe to RSS feed
Abonnieren Sie die Pressemitteilungen der DGB-Region Leipzig-Nordsachsen.